Passend zur Weihnachtspause öffnet Marco Althaus´ seinen Bücherschrank mit Belletristik zu Politikmanagement, politischer Kommunikation und Interessenrepräsentation.
Politischer Stoff taugt noch immer für einen spannenden Thriller, unterhaltsamen Roman oder eine amüsante Satire. Was lernen lässt sich auch daraus – besonders wenn scharfe Beobachter und erfahrene Praktiker zur Feder greifen. Mancher Schlüsselroman enthält mehr nackte Wahrheiten als so manches wissenschaftliches Fachbuch.
-- Deutschland Wirklich gut geschriebene, spannende und unterhaltsame Politikbücher schienen mangels Tradition eher selten. Doch hat sich in den letzten Jahren einiges getan, und zu den besseren Büchern gehören solche von (Ex-) Praktikern.
- Manfred Zach, Monrepos oder Die Kälte der Macht, 1996. Ebenso faszinierend wie beklemmend – ein Schlüsselroman über die Filbinger- und Späth-Ära aus der Feder des Ex-Regierungssprechers. Legendär und umstritten. Die Bewerbung, 1999. Ein junger Norddeutscher, aus den USA heimgekehrt, bewirbt sich in einer süddeutschen Kleinstadt als Bürgermeister und deckt dabei, auf privater Spurensuche, die düstere Nazi-Vergangenheit des Ortes auf. Zwischen Krimi und Realsatire.
- Martin Walser, Finks Krieg, 1998. Der Roman beruht auf einem authentischen Fall: Nach einer gewonnenen Landtagswahl versetzt der neue Chef der Staatskanzlei den altgedienten Beamten Stefan Fink zugunsten eines eigenen Parteigenossen. Der erfahrene Fink, seit Jahren zuständig als Verbindungsmann zu den kirchlichen Institutionen, leidet -- und als der Staatssekretär ihm durch einen Fehler die Gelegenheit bietet, eröffnet er die Kampfhandlungen.
- Edwin Klein, Die Kanzlerpuppe, 1993. Detektivstory um brisante Dokumente im Wahlkampf einer Oppositionspartei.
- Horst Ehmke, Global Players, 2000. Der erste Krimi von Ex-Kanzleramtschef und Justizminister, Auftakt zur Trilogie mit einem Duo aus BKA-Ermittler und Innenpolitiker, die sich organisiertem Verbrechen und korrupten Politiker-Wirtschafts-Netzen in einer globalisierten Welt entgegen stellen. Himmelsfackeln, 2001. Der Euro-Coup, 2001.
- Rainer Aumund, Der Putsch, 1998. Deutscher Jungreferent in Brüssel kommt einer Verschwörung in der Kommission auf die Schliche.
- Eva Rossmann, Wahlkampf, 1999. Lifestyle-Journalistin nach einem Mord im Wahlkampfteam eines österreichischen Präsidentschaftskandidaten auf der Spur von Medientrieb und Machenschaften.
- Arno Meyer, Kreis des Schweigens, 1996. Schneller Thriller um ein Terror-Attentat um einen Banker, dessen Hintergründe von einem untergetauchten BKA-Mann und zwei Journalisten im Netz von Politik, Polizei und Medien ausgeleuchtet werden.
- Wolfgang Brenner, Die Exekution, 2000. Wiederkehr des heißen Herbstes 1977 – die Bundesregierung wird von Stammheim und Mogadischu nach einem Vierteljahrhundert wieder eingeholt.
- Wulf Schönbohm, Parteifreunde. Ein Roman aus der Provinz, 1990. Die Bonner Wirklichkeit der Kohl-Ära hat Wulf Schönbohm (Bruder von Jörg), einst als „Schwarzer Lenin“ geneckter CDU-Chefdenker und Planungschef im von Geißler geführten Adenauerhaus, für sein Buch über den Putschversuch in einer Volkspartei als Vorbild gedient. Verfilmt als „Die Stunde der Füchse“.
- Susanne Fengler, Fräulein Schröder, 2004. Eine Wahlkampfmitarbeiterin findet Parallelen zwischen Parteibetrieb und alter Geschichte – und enthüllt so das Innenleben der CDU-Zentrale.
- Christian von Ditfurth, Der 21. Juli, 2001. Der Historiker (Sohn von Hoimar, Bruder von Jutta) spekuliert, wie das politische Deutschland ausgesehen hätte, wenn das Stauffenberg-Attentat Hitler getötet und der Zweite Weltkrieg mit einer deutschen Atombombe geendet hätte: Himmler als Kanzler, Ludwig Erhard als Wirtschaftsminister... Ein nach Amerika übergelaufener SS-Mann wird ins Deutschland der 50er eingeschleust, um Himmler zu eliminieren.
-- British Style Politischer Humor, Intrigengeschichten und politische Cleverness sind in Downing Street, Whitehall und in den Commons schon lange zu Hause. Empfehlungen:
- Jeffrey Archer, First Among Equals, 1984. Die Geschichte von vier Abgeordneten, die gegeneinander antreten, um Premierminister zu werden.
- Michael Dobbs, House of Cards, 1990; To Play the King, 1993; Final Cut; 1995. Zur BBC-Serie mit dem bösartigsten und durchtriebensten aller Premierminister, Francis Urquhart (Ian Richardson). Goodfellowe MP, 1992. Der gutmütige Hinterbänkler Tom Goodfellowe (Urquharts Gegenspieler in der Trilogie) gerät in Konflikt mit Premier, Presse und Polizei. The Buddha of Brewer Street, 1998. Goodfellowe deckt ein Komplott der chinesischen Regierung auf, den neuen Dalai Lama zu kidnappen. Acts of Betrayal, 2000. Neuer Fall für Goodfellowe: Ein wahnsinnigg gewordener Ex-Offizier bedroht ganz London, um eine Entschuldigung vom Premierminister zu erpressen. Wall Games, 1990. Ein CIA-Agent kommt einer Verschwörung auf die Spur, die zu einem hohen deutschen Politiker führt -- Ehemann seiner Geliebten.
- Ken Follett, Paper Money, 1976 (Deutsch 1996: Die Spur der Füchse). Reporter auf der Spur eines Korruptionsnetzwerks zwischen Politik, Finanzwelt und Unterwelt.
- John O`Farrell, “Things can only get better, 1999. Ein Außenseiter in dieser Liste, da es sich nicht um Fiction handelt, sondern um eine Autobiografie. Aber was für eine - der erfahrene TV-Comedy-Autor ("Spitting Image") nimmt 18 Leidensjahre als Labour-Sympathisant und Wahlkämpfer aufs Korn. Bissig, zotig, literarisch.
-- USA In den USA sind gut geschriebene Wahlkampf-Thriller und Polit-Satiren eigene, sehr populäre Genres. Viele Bestseller-Autoren werden auch ins Deutsche übersetzt, aber es gibt auch Geheimtipps für echte Political Junkies. Leider neigen die Verlage in den USA wie in Deutschland zu immer wiederkehrenden Buchtiteln, die die Verwechslungsgefahr erhöhen.
- David Baldacci, Absolute Power, (Deutsch 1996: Der Präsident). Der Präsident als perverser Sittenstrolch. Verfilmt von und mit Clint Eastwood als “Absolute Power”. Saving Faith, 1999 (Deutsch 2000: Die Verschwörung). CIA-Topbeamter versucht, den Geheimdienst zur alten Größe zurückzuführen, und nutzt dafür Lobbyisten.
- David Corn, Deep Background, 2001. Der Präsident wird erschossen, und sein Assistent ermittelt mit zwei schrulligen Außenseiterkollegen auf eigene Faust in einem hochpolitischen Dickicht.
- Christopher Buckley, “Thank you for smoking” (1994, Deutsch: "Danke dass Sie hier rauchen"). Nick Naylor, Chefsprecher der Akademie für Tabakstudien, trifft sich regelmäßig zum Stammtisch mit den Kollegen von Waffen- und Alkohollobby, die Runde nennt sich M.O.D. (Merchants of Death). Ganz große Demagogie auf den Bühnen von Oprah und Larry King, und geniale Rededuelle mit kritischen Journalisten. Doch dann wir d Naylor entführt, und seine Kidnapper foltern ihn mit Nikotinpflastern auf dem ganzen Körper...
- Ward Just, “Echo House”, 1997. DIe Chronik mehrerer machthungriger Generationen de fiktiven Familie Behl in Washington. Echo House ist ihre herrschaftliche Villa. Intrigen, Karrieren und Frauen. Anonymous/Joe Klein, Primary Colors: A Novel of Politics 1996 (auch in Deutsch erschienen: Mit aller Macht; eben so der Folgeband, Im Namen der Ehre). Der berühmte Schlüsselroman zu Bill Clintons Aufstieg, verfilmt mit John Travolta.
- Richard North Patterson, No Safe Place, 1998 (Deutsch 2000: Der Kandidat). Protect and Defend, 2000 (Deutsch 2002: Eine Frage der Ehre). Balance of Power (Deutsch 2003: Im Kreis der Macht). Pattersons Serien-Held heißt Kerry Kilcannon, ein Gentleman-Politiker mit tragischer Story, der sich mit mächtigen Gegnern anlegt – als Kandidat und als Präsident. Auch in den anderen Patterson-Romanen führt die Spur von Verbrechern meist ins Weiße Haus oder ins Kapitol.
- F. Paul Wilson, The Implant 1995 (Deutsch 1998: Die Kommission). Kommission des US-Senats zur Gesundheitsreform verliert unter merkwürdigen Umständen ihre Mitglieder, ein Schönheitschirurg steckt dahinter. Deep As the Marrow, 1997 (Deutsch 1997: Leiser Verdacht). Der US-Präsident will alle Drogen freigeben, um die Macht der Drogenkartelle zu brechen. Die erpressen den Leibarzt im Weißen Haus.
- Jeff Greenfield, The People’s Choice, 1995. Was passiert eigentlich, wenn der gewählte Präsidentschaftskandidat stirbt, bevor das Electoral College zusammengetreten ist? Verfassungskrise und Medienwahnsinn.
- Jim Lehrer, The Last Debate: A Novel of Politics and Journalism. Was geschieht, wenn sich die vier Moderatoren und Fragesteller einer Präsidentschaftsdebatte verbünden, um einen Kandidaten fertig zu machen? Der legendäre TV-Journalist Lehrer ("The MacNeil/Lehrer NewsHour", PBS), Moderator vieler realer Debatten, sieht es kommen.
- Richard Herman, Power Curve, 1997. Die Vizepräsidentin wird in den Chefsessel geschleudert und mit einer militärischen Krise in China konfrontiert – ein falscher Schritt, und ihr droht die Amtsenthebung.
- James W. Huston, Balance of Power, 1999. The Price of Power, 1999. Der Mitarbeiter eines Abgeordneten entdeckt eine bisher unbeachtete Verfassungsklausel, nach der der Kongress dem Präsidenten das Oberkommando über die Marine entziehen kann – in einer Anti-Terror-Aktion wird die Klausel getestet und stürzt die Regierung ins Chaos.
- Robert Ellis, Access to Power, 2001. Ein Wahlkampf-Medienberater wird ausgebootet, der Geschäftspartner in seiner Agentur ermordet, und er selbst plötzlich vom Jäger zum Gejagten.
- David Compton, The Acolyte, 1996(Deutsch 1999: Lockvogel). Smarter Wahlkampfmanager eines prominenten Senators wird von der CIA in ein Komplott im Weißen Haus verwickelt.
- Doug Richardson, Dark Horse, 1997 (Deutsch 1998: Zweite Wahl.) Junger Senatskandidat sieht sich schon auf dem Weg nach Washington, als ein skrupelloser und dubioser Gegenkandidat auftaucht.
- S. V. Date, Smokeout, 2000. Eine Achterbahnfahrt des schwarzen Humors durch die Staatshauptstadt von Florida, in der ein Gouverneur sich mit einem Tabakkonzern und seinen Lobbyisten anlegt.
- Charles Kenney, Code of Vengeance, 1995. Der populärste und mächtigste Politiker Bostons, ein Held mit blütenreiner Weste, wird ermordet – ein Reporter recherchiert die dunklen Seiten.
- David Morrell, Desperate Measures, 1994 (Deutsch 1999: Der Nachruf). Journalist in Selbstmordlaune bekommt einen letzten Job: Einer der großen Schattenmänner der Politik ist am Sterben, und er soll den Nachruf schreiben.
- Eric C. Evans, Misconstrued, 2003. Endangered, 1999. Evans’ Serien-Romanheld Sam McCall ist ein politischer Söldner – Wahlkampfmanager und Stabschef bei Politikern, betätigt sich nebenbei als Detektiv, wenn er oder sein Boss wieder in einen Skandalstrudel zu geraten drohen.
- Peter Lefcourt, The Woody, 1998 (Deutsch 1999: Reger Verkehr). Schrulliger Senator mit schamlosem Verhältnis zu Sex- und sonstigen Affären in der Hauptrolle einer absurden Polit-Satire.
- Brad Meltzer, The Zero Game (Deutsch 2005: Das Spiel). Zwei junge Referenten, die für renommierte Kongreß-Abgeordnete arbeiten, sich aber nach zehn Jahren in Washington langweilen, beteiligen sich an einem Spiel: Gegen unbekannte Mitspieler setzen sie hohe Wetteinsätze auf Entscheidungen des Parlaments. Einer der beiden wird nach einer Wette ermordet... The Tenth Justice, 1997 (Deutsch 1999: Der zehnte Richter). Junger Assistant am Obersten Gericht untersucht mit seinen WG-Mitbewohnern eine politische Erpressung. The First Counsel, 2001 (Deutsch: Der Berater). Jurist im Rechtsstab des Weißen Hauses ist mit der Präsidententochter liiert, beide haben genug Probleme am Hals, als auch noch ein politischer Mord geschieht.
- David A. Yallop, Unholy Alliance, 1999 (Deutsch 1999: Unheilige Allianz). Der Präsidentschaftskandidat als Kandidat des Narko-Kartells. Stephen J. Cannell, The Plan: Presidents Aren’t Born… They’re Made, 1995. Ein TV-Produzent lässt sich für den Präsidentschaftswahlkampf anheuern, doch stellt er fest: Der Medienkonzern, der den Kandidaten finanziert und steuert, ist fest in der Hand der Mafia. Ihr Plan wird seit 20 Jahren ausgeführt.
- Sabin Willett, The Betrayal, 1998 (Deutsch 1999: Im Getriebe der Macht). Behördenchefin wird im Wahlkampf für einen Korruptionsplot missbraucht – sie taucht unter und wehrt sich.
- Jeffrey Archer, Shall We Tell the President? 1977 (Deutsch neu 2003: Das Attentat). FBI-Agent im Wettlauf gegen die Zeit, um das politische Attentat gegen den Präsidenten zu verhindern. Sons of Fortune, 2003 (Deutsch 2004: Die Kandidaten). Zwillinge werden bei der Geburt getrennt: Einer wächst arm auf, einer reich; ihre Wege kreuzen sich: Erst vor Gericht, dann als Gegner im Kampf um das Gouverneursamt.
- Vince Flynn, Term Limits, 1997. Ein junger Abgeordneter spürt den Terroristen nach, die ein Blutbad unter Politikern anrichten und die Verfassungsorgane politisch erpressen. Der Schlüssel liegt in seiner eigenen Vergangenheit bei den Marines. Separation of Power, 2002. Eine Intrige soll die neue CIA-Chefin stürzen und den Präsidenten am besten gleich mit – und im Nahen Osten droht ein Weltkrieg zu entbrennen.
- Jack Higgins, The President’s Daughter, 1997 (Deutsch 1999: Die Tochter des Präsidenten). Der US-Präsident erfährt, dass er eine uneheliche ausländische Tochter hat – eine rechte Terrorgruppe erpresst ihn.
- Sidney Sheldon, Best Laid Plans, 1997 (Deutsch 2000: Zeit der Vergeltung). Der US-Präsident und die Vorstandschefin eines Medienimperiums waren früher ein Paar – und er ließ die Hochzeit platzen. Sie plant Schlagzeile um Schlagzeile ihre Rache.
- Philip Shelby, The Gatekeeper, 1997 (Deutsch 1999: Der Schlüssel zur Macht). US-Botschaftsmitarbeiterin in Paris entdeckt ein Komplott, mitten im Wahlkampf die First Lady zu töten. Days of Drums, 1996 (Deutsch 1997: Die Stunde der Trommeln). Der Secret Service gegen einen Geheimbund von Politikern.
- Rufus Goodwin, Mr. President, 2003. Was passiert, wenn eine dritte Partei ein populäres Hologramm als Kandidaten aufstellt?
- Gore Vidal: Seine Romanserie American Saga vermittelt ein Gefühl für die jeweilige historische Epoche und lässt sich auch hintereinander weg lesen, weil die Politik mit einer Familiengeschichte verknüpft ist. Nicht nach Erscheinungsjahr, sondern nach Epoche geordnet: Burr (über die Zeit um 1800), Lincoln (Bürgerkrieg, um 1860), 1876, Empire (um 1900), Washington DC (1930er-40er), The Golden Age (50er Jahre).