Politikberatung als Beruf (BJP Edition)


von Florian Busch-Janser, Sandra Busch-Janser und Mario Voigt (Hg)

Preis: 10 EUR
Broschiert

ISBN: 9783938456309



Klappentext - Rezensionen - Herausgebervorstellung - Inhaltsverzeichnis

Klappentext

Unter dem Begriff „Politikberatung“ lassen sich viele unterschiedliche Berufsbilder vereinen. Die Politikberatung umfasst sowohl die interne Arbeit in Parteien, Fraktionen, Abgeordnetenbüro und Verwaltung als auch externe Wahlkampf- und Lobbyberatung sowie die Tätigkeit in Konzernrepräsentanzen, Agenturen, Kanzleien und Think Tanks. Alle Berufsbilder verbindet das Ziel, politische Prozesse zu gestalten und Informationen für politische Entscheider aufzubereiten und zur Verfügung zu stellen.
Die Autoren dieses Sammelbandes sind junge Politikberater, die so genannte „Next Generation“. Sie stehen mitten im Berufsleben und beschreiben ihren Arbeitsalltag mit dem Blick des Praktiker. Jeder Beitrag bietet Einblicke in einen anderen Aspekt der Politikberatung und informiert über Zugangsvoraussetzungen und Einstiegsmöglichkeiten. Studenten, Absolventen und Young Professionals erhalten einen ersten Einblick in die deutsche Politikberatungsszene und Unterstützung bei der Entwicklung von Zielvorstellungen. Der Sammelband mit seinen Insider-Informationen wird so zum Wegweiser für einen Arbeitsmarkt, der viel fordert, aber auch viel bietet.
Die BJP Edition von Politikberatung als Beruf ist eine gekürzte Fassung des inzwischen in der 3. Auflage erhältlichen Originals.


Rezensionen

Rezension in Die Presse (Österreich)

Lobbyisten-Bibel

Politikberatung entwickelt sich in Deutschland zum absoluten Trendberuf: Die Lobbyliste des Deutschen Bundestages führt bereits knapp 1.800 Verbandsvertreter, daneben sind rund 100 Agenturen als Berater zu buchen. In "Politikberatung als Beruf" geben Florian Busch-Janser, Sandra Gerding und Mario Voigt Insiderinfos an der Schnittstelle von Wirtschaft und Politik. Auch mit Österreichbezug. Verlag: poli-c-books.


Rezension in Der Standard (Österreich) vom 12.11.05

„Selbst Politikberatern“ sei „oft nicht bewusst, dass sie zu dieser Zunft gehören“, stellt bereits das Vorwort dieser Textkollektion fest. Umso größer stellt sich das Interesse des Laien dar, mehr über diesen Beruf zu erfahren, der allgemein am ehesten mit den Lobbying oder Public Affairs umschrieben wird.

Die Intention der Herausgeber ist es, Studenten, Absolventen und anderen Interessierten der Materie eine konkrete Entscheidungshilfe bei der Berufswahl zu geben. Dabei kommen ihnen verschiedene Autoren zu Hilfe, die allesamt einer mehr oder weniger eng mit einem gewissen politischen Interesse verknüpften Beruf nachgehen. So geben Juristen, Werber, PR-Berater, Manager, Psychologen und natürlich Public-Affairs-Profis in 22 Texten Einblick in ihr Berufsleben, um auf diese Weise die typischen beruflichen Alltagsprobleme zu reflektieren. Verwaltung und Regierung, Wahlkampf, Thinktanks, Verbände und Empirische Politikberatung stehen dabei ebenso zur Debatte wie strategisches Internet-Campaigning, mögliche Berufseinstiege (etwas über ein Volontariat) und die internationale Ausbildungssituation.

Die Politikberatung stellt sich solcherart als zukunftsträchtige, spannende und vielseitige Branche dar. Wobei die Texte durchwegs hohes Niveau und sogar eine gewisse Kurzweil aufbieten können.



Rezension in Horizont vom 28.9.2005

Neu am Buchmarkt: Eine Publikation mit Insider-Infos über das Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft gewährt einblicke in die Arbeit von Politikberatern. Dieser Beruf entwickelt sich zum Trendberuf in Deutschland. Bereits 4000 Repräsentanzen sind in die deutsche Hauptstadt umgezogen, die Lobbyliste des Deutschen Bundestages führt 1.781 Verbandsvertreter und es gibt knapp 100 Agenturen, die man zur Unterstützung buchen kann. Was heute für Deutschland gilt, ist bald auch in Österreich zu erwarten und bereits jetzt zeigen sich ähnliche Entwicklungen: Immer häufiger wird politische Beratung von heimischen Consultern und Agenturen angeboten. In "Politikberatung als Beruf" schildern Experten aus Deutschland und Österreich anschaulich worum es im Beruf der Politikberatung wirklich geht und was einen Politikberater alles erwartet. Die Autoren dieses Karriereführers berichten aus der Praxis und schildern anschaulich, was sich hinter dem Trend noch alles verbirgt: Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es? Was sind die individuellen Anforderungen eines Politikberaters? Where to work? Die "Next Generation" aus Agenturen, Unternehmen, Verbänden und Wissenschaft beschreibt die Einstiegsmöglichkeiten und den Arbeitsalltag, um Studenten, Absolventen und Young Professionals erste Einblicke zu vermitteln und bei der Entwicklung klarer Ziele zu unterstützen. Auch österreichische Politikexperten werden zu Wort gebeten: Peter Köppl, Lobbyist, mehrfacher Buchautor und Universitätslektor, schreibt über "Lobbying als Beruf" und bringt Licht in das "vielen suspekte und difuse" Berufsbild des professionellen Interessenvermittlers.



Clara Boie in Politik & Kommunikation, Nr. 30 10/2005

Wie werde ich Politikberater?

So wie Studenten in den 90er Jahren angaben, "irgendetwas mit Medien" machen zu wollen, ist die heutige Generation begeistert von dem Berufsfeld Public Affairs und Politikberatung. Doch welche Wege gibt es, effektiv in den Beruf einzusteigen? Wie sind die Perspektiven, der Arbeitsmarkt und die Arbeitsbedingungen? Die Autoren des Ratgebers "Politikberatung als Beruf" greifen diese Fragen in ihren Erfahrungsberichten auf. Gerichtet an Studenten, Absolventen und andere Interessierte, die sich über die Arbeit des Politikberaters informieren wollen, verzichteten die Herausgeber "bewusst auf die 'alten Hasen'". Hier kommt die "Next Generation" aus Agenturen, Verbänden, Unternehmen und Wissenschaft zu Wort. Das Insiderwissen gewährt Einblicke in die unterschiedlichsten Bereiche der Politikberatung an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Regierung. Einig sind sich die Verfasser darin, dass es keinen exklusiven Weg ins Beratergeschäft gibt. "Da der Bereich Public Affairs derzeit in Deutschland wenigen Reglementierungen unterliegt, sind die Ausgestaltungsmöglichkeiten des Berufseinstiegs vielfältig und flexibel", stellt Lars Heitmüller in seinem Beitrag fest. Das berge die Gefahr, als billige, aber qualifizierte Arbeitskraft eingesetzt zu werden, biete aber auch die Chance, in Absprache mit dem Arbeitgeber einen maßgeschneiderten Trainingsplan zu entwickeln, so Heitmüller weiter. Insgesamt haben die Herausgeber einen gut strukturierten Sammelband veröffentlicht, der einen Blick hinter die Kulissen gewährt und für einen Überblick über Wege in die Branche gut geeignet ist.



Rezension in Public Affairs Manager - Zeitschrift des Deutschen Instituts für Public Affairs, Ausgabe 1/2005

Einstiegshilfe, nicht nur für Einsteiger

Warum sollten erfahrene Leute ein Buch für Berufseinsteiger lesen? Weil es mit frischen, kräftigen Pinselstrichen Kurzporträts fast aller Berufsgruppen schafft, aus denen sich in den Public Affairs die Gesprächspartner rekrutieren. Es ist wichtig, den beruflichen Hintergrund dieser Gesprächspartner zu verstehen.

In die Reihe der Neuerscheinungen, die zur Politikberatung in Deutschland eine Rundumsicht versprechen, gehört dieses Flaggschiff des jungen Berliner Fachverlags poli-c-books. Die Autoren – fast ausschließlich Praktiker oder Grenzgänger zwischen Hochschule und Praxis – deklinieren die Formen der Politik- und Politikerberatung als Arbeitsfelder durch. Die Systematik hat zwar einige Brüche, werden doch hier Arbeitgeber, dort Stellenbeschreibungen und dann wieder Einzelaufgaben beschrieben. Doch die meisten der 24 Autoren haben sich Mühe gegeben, Einstiegsmöglichkeiten, typische Karrierewege, Arbeitsatmosphäre, Alltagsprobleme, Chancen und Fallen verständlich und teils sogar unterhaltsam darzustellen. Sie räumen mit zahlreichen Missverständnissen auf.

Neigen einige Autoren zum berufsständischen Pathos, nehmen andere ihren Gegenstand humorvoll aufs Korn (von Beiträgen wie „Just win, baby“ über Wahlkampfberatung bis zu Anklängen an Gertrude Stein: „Ein Minister ist ein Minister ist ein Minister“). Das Buch ist eine Parade der Vielseitigkeit – und gerade diese ist als Eigenschaft in der Politikberatung gefragt, wahre „Multiplayer“, so heißt es, werden gesucht. Das gilt für den, der sich vorstellt, Ministerialbeamter zu werden, ebenso wie für die dynamischen Consultants auf der Agentur- und Unternehmensseiten. Für alle die gelten grundsolide Einsichten wie „Aller Anfang ist schwer“. Einige Autoren sparen nicht mit gut gemeinten Ratschlägen, die zweifellos für den Einsteiger hilfreich sind, aber vielfach nicht sehr spezifisch ausfallen und so auch für Lehrlinge in der Kfz-Schlosserei gelten könnten.

Politikberatung ist oft nicht nur Beruf, sondern ein Stück Berufung. Leidenschaft und Leidensfähigkeit gehören dazu. Umso mehr fällt auf, dass das Buch sich stark mit den praktischen Orientierungshilfen beschäftigt, ohne sich viel auf Seelenerkundung einzulassen – die Antwort auf die Frage: Warum eigentlich? Und wofür? Die Herausgeber stellen richtig fest, dass in der Berliner Republik Politikberatung ein Trendberuf für junge Leute geworden ist. Doch wie kommt es, dass Idealisten und Opportunisten, Macher und Strategen heute so viel eher Politikberater als Politiker werden wollen. Ist es Scheu vor der Verantwortung, vor dem Risiko der Niederlagen oder die Ungeduld, die die schnelle Umgehungsstraße der mühsamen Ochsentour vorzieht? Wie dem auch sei: Wer meint, als Politikberater habe man nur Teil an den leichten Seiten des Spiels um Macht und Einfluss, wird schnell eines Besseren belehrt. Tatsache ist: Nicht jeder ist für diese Berufe geeignet, und es ist wahr, dass jedes Jahr viele junge Idealisten frustriert, wütend oder schlicht erschöpft und ausgesaugt aus dem Beruf wieder aussteigen, noch bevor sie richtig angekommen sind. Die jüngeren Leser müssen sich die von den Herausgebern und Autoren kaum gestellten Fragen ohnehin selbst beantworten. Aber auch wenn der vorgelegte Berufsbilderbogen vor allem begeistern und Mut machen will, so wären ein paar Warnhinweise doch angebracht. Die Mechanismen und Entscheidungen, um die es an der Schnittstelle von Politik, Öffentlichkeit und Wirtschaft geht, sind vielfach um einiges härter, als die Einsteiger annehmen. Und nicht jeder kommt damit klar.



Bert Große auf e-politik.de

Politikberatung wird seit einiger Zeit verstärkt zu einem Berufsfeld für Absolventen. Doch so breit das Arbeitsfeld ist, so uneinheitlich sind die Zugangswege. Ein neuer Sammelband zeigt Inhalte, Anforderungen und Einstiegschancen.

Die berufliche Tätigkeit am Schnittfeld von Politik und Wirtschaft scheint für Absolventen nahezu aller Fachrichtungen, nicht nur in Berlin und Brüssel, zu einem interessanten Arbeitsfeld geworden zu sein. Sei es, weil politische Entscheidungen mehr und mehr auf externen Sachverstand zurückgreifen (müssen) oder schlicht der Tatsache geschuldet, dass sich in dem Bereich neue Chancen für üblicherweise nicht gerade verwöhnte Politologen oder Sozialwissenschaftler ergeben. Politikberatung, Lobbyismus oder Public Affairs sind en vogue.

Ein neues Buch hat es sich zum Ziel gesetzt, Studenten und Absolventen Wege in den Job aufzuzeigen. Politikberatung als Beruf versammelt insgesamt 24 Beiträge. Das Besondere, die Herausgeber, organisiert bei poli-c e. V., haben sich bewusst für junge Autoren entschieden. Alle Artikel stellen die Aufgaben, Anforderungen und Zugangswege in die berufliche Politikberatung in den Vordergrund.

Das Arbeitsfeld ist weit: „Politikberatung ist jeder Beruf, der darauf angelegt ist, der Politik als Ganzes und den Politikern im Speziellen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wie Herausgeber Florian Busch-Janser formuliert. Entsprechend vielseitig gestalten sich die beruflichen Möglichkeiten. Sinnvoll ist zwischen interner und externer Beratung zu unterscheiden.

Die Vertrauten

Zur ersten Gruppe zählen die Mitarbeiter von Politikern in Partei, Fraktion oder Ministerbüro. Einhellig äußern sich die Autoren dahingehend, dass ihre Arbeit auf enger Kooperation, persönlichem Vertrauen, Loyalität und der Fähigkeit zur Kommunikation beruht.

Michael Scharfschwerdt bringt es auf den Punkt: „Als Berater gilt es genauso Stellung zu beziehen und mit dem/der politisch Verantwortlichen zu diskutieren. Es gibt wohl nichts schlimmeres für einen Politikberater als einen Chef, der einen zwar für die Bewältigung des Tagesgeschäfts braucht, darüber hinaus erwartet, dass man seinen Mund hält, weil er glaubt, als sein eigener Berater der Beste zu sein. Für einen Politiker gibt es im Gegenzug eigentlich nichts schlimmeres als einen Berater, der nicht berät. Sei es, dass er nicht Stellung bezieht oder, was viel schlimmer ist, indem er immer die Meinung des Chefs annimmt.“

Ein vergleichsweise häufiger Berufseinstieg ist die Tätigkeit im Büro eines Parlamentariers. Katja-Julia Fischer stellt Abläufe und Anforderungen zwischen Großer Anfrage, Besuchergruppe und Wahlkreis-Konferenz gelungen dar.

Katja Pohlmann gibt Einblick in die Tätigkeit als Fraktionsreferent. Im Unterschied zu MdB-Mitarbeitern bearbeiten diese meist ein bestimmtes Themengebiet innerhalb einer Bundestagsfraktion. Innerhalb „ihrer“ Arbeitsgruppe können Referenten über immensen Einfluss auf die Politikformulierung ihrer Fraktion haben. Zudem sind sie im Unterschied zu MdB-Mitarbeitern nicht privatrechtlich angestellt und werden analog zum Öffentlichen Dienst entlohnt.

Die „Söldner“

Peter Köppl versucht mit dem schlechten Image des Lobbyisten aufzuräumen. Nicht der Geldkoffer, sondern Information und Vertrauen sollte die Arbeit prägen. Politiker bedürfen externer Informationen und Lobbyisten vertreten (berechtigte) Interessen ihrer Auftraggeber. Ziel eines jeden guten Lobbyisten muss es sein, eine „win-win-Situation“ herzustellen. Dafür ist der offene Austausch grundlegend. Auf Grund der gewachsener Beziehungen ist der Berufseinstieg für Neulinge schwer, der „quick and dirty approach“ wenig zielführend.

Wigan Salazar erstellt ein anspruchsvolles Profil für angehende Mitarbeiter in Public-Affairs-Agenturen. Um die kommerzielle Kundschaft aus Wirtschaft, Industrie und Verbänden wirksam in ihren politischen Anliegen unterstützen zu können bedarf es hoher Arbeitsleistung sowie breiten Wissens um die Funktionsweise von Politik und Ökonomie. Intensive Kenntnisse über politische Abläufe sind genau so selbstverständlich wie Mehrsprachigkeit und sprachliches Ausdrucksvermögen. Wer all dies erfüllt, den erwartet ein komplexes Arbeitsfeld mit immer wieder wechselnden Aufgaben.

Einen - wenn auch auf niedrigem Niveau - wachsenden Anteil an Konzept und Budget konstatiert Frank Wernecke für den Bereich Online-Campaigning. Zwar ist zumindest eine Homepage mittlerweile selbstverständlich für politische Aktivitäten aller Art, allerdings wird die Online-Kommunikation häufig immer noch als verlängerter Arm der klassischen Kampagnenaktivitäten begriffen. Entsprechend niedrig fallen die Budgets aus. Aber auch jenseits der „New Economy-Träume“ ist zukünftig mit Wachstumsraten und Personalbedarf zu rechnen.

Alexander Mauß stellt den Bereich Empirische Politikberatung / Wahlforschung vor. Statistisch Interessierte finden hier gute Möglichkeiten zum Berufseinstieg. Quantitative wie qualitative Sozialforschung bieten Einblick in die politischen Ansichten der Bevölkerung. Interessierte haben bereits als Studenten gute Möglichkeiten, das Arbeitsfeld kennen zu lernen.

Wie komme ich rein?

Einig sind sich die Autoren, dass es den einen Weg ins Beratergeschäft nicht gibt. Auch wenn ein Hochschulstudium inzwischen Standard ist, komme es weniger darauf an, was studiert wurde. Naturgemäß finden sich relativ viele Politologen und Juristen in der Branche, aber auch andere Richtungen sind breit vertreten. Vielmehr zählen breites Wissen, Kontaktfreude, Interesse an Politik, Belastbarkeit und Flexibilität.

Inzwischen werden auch in Deutschland verstärkt Studiengänge zur professionellen Politikberatung angeboten, so in Potsdam, Berlin oder Jena. Im Vergleich zu Nordamerika steckt diese Entwicklung jedoch noch in den Kinderschuhen, wie Joachim Klewes und Florian Busch-Janser konstatieren.

Den Herausgebern ist es gelungen, für Studierende mit ihrem Buch echten Nutzwert zu schaffen. Obwohl sich viele Ansätze auch in den zahlreichen Publikationen am Markt finden, so sind thematische Vielfalt und inhaltliche Stringenz der Beiträge vorbildlich. Dank der angenehm überparteilichen Darstellung fällt die überbordende Autorenherkunft aus dem konservativen Lager nicht störend ins Gewicht.

Ein Beitrag, der die zunehmende politische „Professionalisierung“ kritisch hinterfragt, hätte dem Band allerdings gut getan. Die Hunzingers, Rexrodts und Laurenz Meyers der letzten Jahre haben deutlich gezeigt, dass Nähe ohne Transparenz dem demokratischen System nicht zuträglich ist. Insgesamt ist dem ambitionierten Buch eine breite Leserschaft und regelmäßige Aktualisierung zu wünschen.



Christian Wolf in Civis mit Sonde

Politik und Öffentlichkeit sind auf den Rat von Experten angewiesen. Politikberatung in Deutschland sollte daher eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber nicht. Im Gegensatz zu den USA ist Politikberatung in der Berliner Republik noch eher die Ausnahme als die Regel; noch. Denn es zeichnet sich ein Trend ab in Deutschland, auf den die Herausgeber von „Politikberatung als Beruf“ mit einem Sammelband reagieren, der sich als Karriereführer für das Berufsfeld der Politikberatung versteht. Dass sich dieses Berufsfeld tatsächlich herausbildet, zeigt bei aller Unschärfe in der konkreten Beschreibung des Politikberaterberufs die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung e.V., einem berufsverbandsähnlichem Zusammenschluss deutscher Politikberaterinnen und Politikberater.

Der Politikberatung eröffnen sich in Deutschland zunehmend neue Betätigungsfelder, dabei ist das Spektrum sehr weit und vielfältig. Dieser Tatsache trägt der vorliegende Band Rechnung und lässt Autoren aus 17 unterschiedlichen Bereichen der Politikberatung zu Wort kommen, die in zumeist erfreulich kurzer und prägnanter Weise über ihren Arbeitsalltag berichten und dabei wertvolle Einblicke in äußerst unterschiedliche Bereiche der Politikberatung geben. Parteistrategen und andere Mitarbeiter politischer Akteure kommen ebenso zu Wort wie ein Lobbyist, externe Wahlkämpfer sowie Mitarbeiter aus Beratungsagenturen und Wissenschaftler. Abgerundet wird der Sammelband durch fünf weitere Beiträge über „Wege in die Politikberatung“, die dem Leser Informationen zu Einstiegsmöglichkeiten und der Ausbildungssituation in Deutschland sowie der Politikberatung in den USA und Brüssel geben.

Also besonders wertvoll sind die Informationen und Einschätzungen der Autoren über das Qualifizierungsprofil in ihrem jeweiligen Bereich anzusehen. Gerade für ein so unscharfes Berufsfeld benötigt der potentielle Einsteiger Informationen über die Anforderungen an seine Ausbildung, Kompetenzen und Persönlichkeit. Auch die häufig anzutreffenden Informationen über das berufliche Selbstverständnis der Praktiker tragen viel dazu bei, dem Leser einen ersten Eindruck von der Beschaffenheit des Berufes zu vermitteln. Insgesamt haben die Herausgeber, die auch selbst alle als Politikberater tätig sind, einen Sammelband vorgelegt, der dem Leser ein Blick auf die Hinterbühne der Politikberatung bietet, wie sie zurzeit in der Berliner Republik stattfindet. Die Vielfalt der Bereiche und Beiträge ist hier Stärke und Schwäche des Bandes zugleich. Für einen Karriereführer fehlt der große Überblick, ein systematischer Einstieg, vielleicht sogar eine Kategorisierung des Berufsfeldes über die vorzufindende Einteilung in „Formen der Politikberatung“, „Quellen der Politikberatung“ und „Externe Berater“ hinaus. Die Frage bleibt aber offen, inwieweit das bereits möglich ist. Das Berufsfeld ist und bleibt unscharf. Der vorliegende Band leistet hier Pionierarbeit. Der Leser bekommt speziell durch die Praxisberichte ein erstes Gefühl dafür, was Politikberatung überhaupt ist und erhält Orientierung in einem wachsenden und zunehmend unüberschaubaren Berufsfeld, das spannende und abwechslungsreiche Aufgaben für „Allrounder“ und „Multiplayer“ bereithält. Für potentielle Berufseinsteiger daher Pflichtlektüre.


Herausgebervorstellung

Florian Busch-Janser verantwortet das Marketing und die Kommunikation am Deutschen Insititut für Public Affairs in Potsdam, absolvierte Wirtschaftsjura-Studium mit Schwerpunkt Medien und Marketing in Köln, absolviert an der Hochschule für Politik München ein Politikstudium mit dem Schwerpunkt Politische Kommunikation, ehemals tätig für ECC Kohtes Klewes und als freier Journalist für u.a. Die Welt, den Rheinischen Merkur und Politik&Kommunikation, absolvierte Praktika im Deutschen Bundestag, im Europäischen Parlament, bei der CDU, Publicis Public Affairs und Siemens Government Affairs Washington D.C., ehemals Bundespressesprecher der Jungen Europäischen Föderalisten, Mitarbeit in der Wahlkampagne der CDU Berlin und des US-Präsidentschaftskandidaten John Kerry in Washington D.C. Kontakt: busch-janser@poli-c.de

Sandra Gerding ist Public Affairs-Beraterin bei dimap communications, Doktorantin, absolvierte Studium an der Hochschule für Politik München, Stipendiatin der Hanns Seidel Stiftung, ehem. journalistisch tätig für die Sankt Petersburgische Zeitung (Russland), ehem. Mitarbeit in der Press- and Public-Information-Section der OSZE in Wien, diverse Wahlbeobachtungen für EU, Europarat und OSZE, Praktikum bei fischerAppelt Berlin, Mitarbeit im Wahlkampf-Team der CDU Sachsen bei der Bundestagswahl 2002 und der Kampagne des US-Präsidentschaftskandidaten John Kerry in Washington D.C. Kontakt: gerding@poli-c.de

Mario Voigt promoviert zum amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf und forscht am Zentrum für Politische Kommunikation in Jena, studierte Politikwissenschaft, Neuere Geschichte und Öffentliches Recht an den Universitäten Jena, Bonn und Virginia, Charlottesville, ehem. tätig für die Politische Repräsentanz von Siemens in Brüssel, Politische Planungsabteilung der CDU und Konrad-Adenauer-Stiftung in Washington D.C., ehem. RCDS- Bundesvorsitzender, Mitglied der CDU- Wertekommission und stv. Mitglied im Vorstand der Europäischen Volkspartei (EVP). Voigt war Wahlbeobachter der Konrad-Adenauer-Stiftung während der amerikanischen Wahlen 2004. Kontakt: voigt@poli-c.de


Inhaltsverzeichnis


GELEITWORT
Politikberatung als Beruf
von Florian Busch-Janser, Sandra Gerding & Mario Voigt

VORWORT
Politikberatung: Vielfalt mit Anforderungen
von Florian Busch-Janser

Formen der Politikberatung

PARTEIEN
Wo sich „Multiplayer“ zu Hause fühlen
von Michael Scharfschwerdt

FRAKTIONEN
Ein Leben im Mikrokosmos
von Katja Pohlmann

BUNDESTAG
Bundestagsabgeordnetenmitarbeiter
von RA’in Katja-Julia Fischer

VERWALTUNG
Die Rolle des Ministerialbeamten in der Politikberatung
von Dr. Hendrik Luchtmeier

REGIERUNG
Ein Heureka in Hellblau
von Sebastian Gehrold

LOBBYING
Lobbying als Beruf
von Dr. Peter Köppl

WAHLKAMPF
Just win, baby!
von Ralf Güldenzopf & Mario Voigt

Quellen der Politikberatung

THINK TANKS
Think Tanks – flexible Beiboote für die Tanker Partei und Verband
von Daniel Dettling

UNTERNEHMERISCHE POLITIKBERATUNG
Interessenvertretung für Global Player
von Dr. Klaus Willnow

VERBÄNDE
Verbände braucht das Land!
von Hermann Hofmann

Externe Berater

KOMMUNIKATIONS-AGENTUREN
Public-Affairs-Agenturen als Arbeitgeber
von Dr. Wigan Salazar

WERBEAGENTUREN
Politische Werbung als Beruf
von Peter Funk

KANZLEIEN
Lobbying als anwaltliches Beratungsfeld – ein Wachstumsmarkt
von Andreas Geiger

UNTERNEHMENSBERATUNGEN
Die Rolle der Unternehmensberatung in der Politikberatung
von Dr. Louis Klein

EMPIRISCHE POLITIKBERATUNG
Zwischen Zahlen und Strategien
von Alexander Mauß

INTERNET-CAMPAIGNING
Die Kampagne geht weiter: online!
von Frank Werneke

POLITIKBERATENDE PSYCHOLOGIE
Psychologische Problemlösungen für die politische Praxis
von Jens Hendrik Maier

Wege in die Politikberatung

EINSTIEG ÜBER EIN VOLONTARIAT
Aller Anfang ist schwer
von Lars M. Heitmüller

POLITIKBERATUNG IN BRÜSSEL
Interessenvertretung in der Lobbying-Hauptstadt der Welt: Going Brussels
von Peter Husen

POLITIKBERATUNG IN DEN USA
PR im Goldfischglas
von Gudrun Herrmann

DIE AUSBILDUNGSSITUATION
Akademische Weihen für Politikberater
von Prof. Dr. Joachim Klewes & Florian Busch-Janser

DIE BERLINER SZENE
[public_affairs_sommerakademie_04] – das Berliner Leben beginnt!
von Sandra Gerding

Die Autoren

C by poli-c - Florian Busch-Janser

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